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Orientierung und Orientierungssinn des Menschen
Ein paar Gedanken und Bemerkungen zum Thema: Orientierung
Orientierung, lat. „oriens“ - Sonnenaufgang
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Sicherlich haben Sie die Bemerkung schon oft gehört: „Ich habe einen total schlechten Orientierungssinn“ oder „ich habe keine Ahnung, wo ich bin“. Vielleicht haben Sie dasselbe ja auch schon über sich selbst gesagt.
Eigentlich ist es doch auch nichts Ungewöhnliches, wenn man sich in einer fremden Umgebung nicht gleich zurechtfindet, im Grunde genommen sogar eher normal. Andererseits ist die Fähigkeit zur räumlichen Orientierung von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich ausgeprägt.
Haben Sie gewusst, dass der Orientierungssinn beim Menschen sehr stark durch seine Erfahrungen im Kindesalter beeinflusst wird?
Kinder erlernen nämlich die geografische Orientierung vor allem durch Bewegung im Raum. Und mit dessen sukzessiver Ausdehnung findet eine Verinnerlichung der Fortbewegung im Raum statt.
Erwachsene, die als Kinder kaum Gelegenheit hatten, sich autonom und auf sich allein gestellt fortzubewegen oder z. B. sehr oft in Fahrzeugen herumgefahren wurden, haben in der Folge oftmals keinen besonders guten Orientierungssinn. Um zielsicher zu navigieren, werden sie in unbekannter Umgebung immer auf Hilfsmittel zurückgreifen müssen, ansonsten wären sie verloren.
Verantwortlich dafür sind die veränderten Lebensumstände des modernen Menschen, die sich in der Folge zumeist negativ auf seine Fähigkeiten zur räumlichen Orientierung auswirken. Noch größeren Einfluss auf die Ausbildung des Orientierungssinnes hat allerdings der gesellschaftliche Hintergrund des Individuums.
Der Kulturraum, in den man hineingeboren wird und die Muttersprache, die erlernt und gesprochen wird, haben tief greifende Auswirkungen auf die Orientierungsfähigkeiten eines Menschen. In der Tat ist es nämlich so, dass unterschiedliche Sprachen auch unterschiedliches Denken hervorrufen und Besonderheiten der Grammatik großen Einfluss darauf haben, wie wir die Welt sehen.
Europäer beispielsweise sprechen bei Wegbeschreibungen von links und rechts, afrikanische Nomadenstämme oder Aborigines hingegen verwenden Angaben zur Himmelsrichtung. Anstelle von Wörtern wie links/rechts, vor/hinter, oder über/unter, die im deutschen oder englischen und vielen anderen Sprachen den Beobachter in Bezug zu seiner räumlichen Umgebung setzt, gebrauchen die Stämme zur Definition des Raumes allgemeingültige Richtungsbegriffe wie nördlich, südlich, östlich und westlich.
So sagen sie beispielsweise: "Der Löffel befindet sich südlich von der Schüssel“ oder „der Hund sitzt neben deinem nach Nordwesten weisenden Bein“.
Eine solche Anwendung der Sprache setzt natürlich voraus, dass man ständig die Orientierung behält, sonst könnte man nicht richtig sprechen!
Die Fähigkeit, in unbekannten Gegenden ohne Hilfsmittel zu navigieren wird ihnen durch ihre Sprache ermöglicht, denn –so verrückt es klingt- ihre Sprache zwingt sie dazu, in jedem Moment intuitiv die Himmelsrichtung zu kennen, selbst in geschlossenen Gebäuden. Die Schärfung Ihrer Aufmerksamkeit auf diesem Gebiet ist die Voraussetzung dieser enormen Orientierungsleistung.
Die Konsequenz sind entscheidende Diskrepanzen in der Orientierungsfähigkeit und dem räumlichen Vorstellungsvermögen von den Menschen, die innerhalb Ihrer Sprache einen absoluten Bezugsrahmen setzen (Nomadenstämme) und denjenigen, die in einem vorwiegend egozentrischen Bezugssystem denken. (Europäer).
Wir in Europa beziehen uns bei unserer Wahrnehmung immer auf die eigene Person. Es hängt somit alles von der Position des Sprechers ab, was mit rechts und links gemeint ist. Unsere Aussage ist daher immer nur relativ zu verstehen und hat den Nachteil, sehr leicht missverstanden zu werden. Menschen, die in dieser Weltsicht sozialisiert wurden, betrachten Ihre Welt in anderen Raumstrukturen und mit einer unterschiedlichen Bewusstheit.
Insgesamt weisen diese Aspekte in die Richtung, dass unser kultureller und linguistischer Hintergrund für die Ausprägungen unseres Orientierungssinns verantwortlich ist. Sprache spielt demnach eine zentrale Rolle in der Art und Weise, wie wir unsere Umwelt und uns selbst erfahren, und hat somit fundamentale Auswirkungen auf unser Denken, unsere Wahrnehmung und unsere Möglichkeiten.
Es ist also nicht egal, was wir lernen, denn „auf die Dauer nimmt die Seele die Farben deiner Gedanken an“, wie schon der römische Kaiser Marc Aurel treffend bemerkte.
Quellenangaben:
Wikipedia
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